Luxemburg
Unbezahlt und ohne Rechtsanspruch: Spautz will Familien-Teilzeit nächstes Jahr einführen
Vier Stunden frei, zehn Prozent weniger Gehalt: So stellt sich Luxemburgs CSV-DP-Regierung die neue Familienteilzeit für Eltern mit Kindern unter 13 vor. 2027 soll der „Temps partiel familial“ eingeführt werden.
Kinder, Haushalt, Job: Mit vier Stunden Familienteilzeit soll das in Luxemburg besser „unter einen Hut“ gebracht werden Symbolfoto: dpa/Annette Riedl
„Es ist eine Erwartung, dass wir in der Arbeitswelt eine moderne Organisation machen, die zu unserer Gesellschaft passt.“ Das sagte Premierminister Luc Frieden (CSV) in einem Interview im Jahr 2024. Hintergrund: die Pläne der Regierung zur Familienteilzeit. Noch 2024 wollte Frieden dieses Vorhaben, das auch im Koalitionsvertrag vereinbart ist, klären. Jetzt hat es doch etwas länger gedauert.
Familienteilzeit soll 2027 eingeführt werden
Wie Arbeitsminister Marc Spautz (CSV) am Freitag auf 100,7 erklärt, soll die Familienteilzeit im kommenden Jahr eingeführt werden. Konkret soll sie zehn Prozent umfassen, also vier Stunden pro Woche bei einer Vollzeitstelle. Sie soll für Eltern mit Kindern unter 13 Jahren möglich sein. Eltern müssen sich dann auch auf weniger Gehalt einstellen: Die Familienteilzeit soll unbezahlt bleiben.
Und: Einen Rechtsanspruch auf „Temps partiel familial“ wird es aber wohl nicht geben. Auf 100,7 sagt Spautz: „Das ist etwas, was auf Freiwilligkeit beruht. Der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer müssen sich eins werden.“ Premier Luc Frieden hatte in seiner Erklärung zum Regierungsprogramm 2023 vor der Chamber noch gesagt, dass die CSV-DP-Koalition „ein Recht auf vier Stunden pro Woche“ unbezahlten Urlaubs einführen wolle. Um „Familie und Beruf besser unter einen Hut“ bringen zu können.
Einen fertigen Gesetzestext will Spautz Anfang Oktober mit Arbeitgebern und den Gewerkschaften im „Comité permanent du travail et de l’emploi“ diskutieren. Anfang 2027 soll die Chamber dann über den „Temps partiel familial“ abstimmen.
LSAP: „Work-Life-Balance darf kein Luxus sein“
Kritik kommt noch am selben Tag von der LSAP. Die Sozialisten seien für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, heißt es in einer Mitteilung vom Freitag. Aber kürzer arbeiten dürfe nicht heißen: weniger verdienen und später weniger Rente bekommen. Genau das mache die Regierung. Statt die Arbeitszeit für alle zu verkürzen, schiebe sie die Kosten auf den Einzelnen ab. Wer mehr Zeit für die Familie wolle, zahle sie selbst.
LSAP-Fraktionschefin Taina Bofferding kritisiert vor allem, was aus dem Versprechen von 2023 geworden ist: „Aus einem angekündigten Recht auf mehr familiäre Arbeitszeit wird eine Lösung, die vom Einverständnis des Arbeitgebers abhängt. Aus einem Recht wird eine Möglichkeit. Aus einem sozialen Fortschritt wird eine individuelle Verhandlungssache.“
Für viele Familien, die schon jetzt mit hohen Wohnungspreisen und Lebenshaltungskosten zu kämpfen hätten, sei der Verzicht auf einen Teil des Lohns keine realistische Option. Die Regierung riskiere so eine Work-Life-Balance in zwei Klassen: mehr Zeit für die, die es sich leisten können, voller Druck für alle anderen.(sen/hat)