Reaktion auf Extremismus und Populismus

Jungpolitiker bilden „Entente“ der Mitte, um Demokratie in Luxemburg zu schützen

Sieben Mitglieder von CSV, DP, „déi gréng“ und LSAP gründen die „Plattform fir Demokratie“. Ein Verein, der sich für den Erhalt und die Stärkung der Demokratie in Luxemburg einsetzen soll, über politische Grenzen hinweg – doch drei Parteien fehlen.

Die Gründungsmitglieder (v.l.): Jessie Thill, Sammy Wagner, Katrin Kohl, Stefano d‘Agostino, Michael Agostini, Danielle Filbig und Fabricio Costa

Die Gründungsmitglieder (v.l.): Jessie Thill, Sammy Wagner, Katrin Kohl, Stefano d‘Agostino, Michael Agostini, Danielle Filbig und Fabricio Costa Foto: Editpress/Alain Rischard

In einem offenen Brief an Premier Luc Frieden und Chamber-Präsident Claude Wiseler (beide CSV) kündigten sie Anfang 2025 ihr Vorhaben an: Die „Plattform fir Demokratie“ soll sich dafür einsetzen, die luxemburgische Demokratie zu stärken und vor demokratiegefährdenden Tendenzen zu schützen. Sie, das sind jeweils zwei Politiker von „déi gréng“, DP und LSAP und ein Politiker der CSV. Ihr Zusammenschluss deutet auf ein Ziel des Vereins hin: Für die Stärkung der Demokratie soll sich „über Parteigrenzen hinaus eingesetzt werden“. Am Mittwochnachmittag haben sie nach einer Pressekonferenz gemeinsam die Statuten der ASBL im „Independence Café“ in Luxemburg-Stadt unterschrieben.

Ein Bürgerrat zur Debatte

Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt eigne sich gut, um anzuerkennen, in welchen politischen Zeiten wir uns befinden, sagt Fabricio Costa („dei gréng“), der mit der Vorstellung des neuen Vereins „Plattform fir Demokratie“ beginnt. Die westlichen Demokratien stünden unter Druck, weil rechtsextreme und populistische Parteien weltweit immer mehr an Zuspruch gewinnen. Angesichts der politischen Instabilität in Europa und darüber hinaus sei Luxemburg dabei „keine Insel“. Eine konkrete Antwort darauf soll die „Plattform fir Demokratie“ bieten. Für die sieben Politiker von CSV, DP, „déi gréng“ und LSAP sei ein Umdenken nur möglich, wenn man die Bürger mit in die Diskussion einbringe und „über Parteigrenzen der breiten Mitte“ hinaus denke.

Zu den wenigen konkreten, sonst eher unklaren Vorhaben des neuen Vereins zählt der Vorschlag eines „konsultativen Bürgerrats“. Dieser solle die partizipative Demokratie durch das aktive Einbringen der Bürger stärken, so Stefano d’Agostino (CSV). Eine repräsentative Stichprobe der Bevölkerung soll sich regelmäßig treffen, um politische Debatten zu führen, die anschließend in der Chamber aufgegriffen werden.

Demokratiebildung kann nicht erst anfangen, wenn man mit 18 Jahren wählen geht

Stefano d’Agostino

CSV

Stichwort Meinungsfreiheit. Diese will die „Plattform fir Demokratie“ bei den jüngeren Generationen stärken. In Luxemburgs Grundschulen und „Lycées“ etwa soll jungen Menschen von klein auf ein Raum geboten werden, in dem über politische Themen gesprochen wird. „Demokratiebildung kann nicht erst anfangen, wenn man mit 18 Jahren wählen geht“, so d’Agostino. Der AfD-Zuspruch junger Menschen in Sachsen-Anhalt spreche für sich. Eine freie Meinungsbildung könne junge Menschen auch vor populistischen Narrativen und Desinformation in den sozialen Medien schützen, so der CSV‑Politiker.

Genauere Modalitäten bleiben unklar

Wie die Mitglieder der „Plattform fir Demokratie“ zukünftig genau vorgehen wollen, bleibt bei der Pressekonferenz am Mittwochnachmittag jedoch unklar. „Die genauen Modalitäten kann man zu einem späteren Zeitpunkt festlegen“, erklärt Danielle Filbig (LSAP).

Auffallend ist jedoch das Fehlen der drei übrigen Chamber-Parteien. Auf Nachfrage eines Journalisten, weshalb Politiker von „déi Lénk“ oder der ADR außen vor bleiben, reagieren die Politiker der Mitte zögerlich. Mit „déi Lénk“ habe man keinen gemeinsamen Nenner gefunden, so Costa – und mit der ADR habe man gar nicht gesprochen. Die angekündigte breite demokratische Debatte, sie schließt in den Augen der „Plattform fir Demokratie“ die ADR nicht mit ein. Das Argument: Die öffentlichen Aussagen der ADR würden nicht mit den Statuten der neuen ASBL übereinstimmen, erklärt Michael Agostini (DP). Die sieben Politiker sind sich einig, die Initiative sei „nicht gegen die ADR, sondern für die Demokratie“.

5 Kommentare
Guy Mathey 11.09.202621:39 Uhr

@Fraulein Smilla: Sie geben vor, keine Gemeinsamkeiten zwischen AFD und NSDAP zu erkennen? OK, ihre Sichtweise nehme ich mal so zur Kenntnis. Vielleicht sollten Sie ihrerseits die Thematik doch noch etwas vertiefen, mit neuen Erkenntnissen ist allerdings jederzeit zu rechnen... Wünsche viel Erfolg dabei.

Guy Mathey 10.09.202621:31 Uhr

Eine wichtige und absolut positive Initiative. Dass, wenn es um Demokratie geht, die rechtsextreme, zutiefst menschenverachtende ADR draussen bleiben muss, ist doch wohl eine Selbstverständlichkeit! Genau vor Parteien à la ADR, AFD, FPÖ, RN & Co gilt es unsere Demokratie zu schützen. Deshalb ist doch unverzichtbar, dass diese Plattform den Kampf gegen die ARD zu ihrem Kampf deklariert, wenn sie denn glaubwürdig sein soll.
Übrigens wurde seinerzeit die NSDAP auch demokratisch gewählt, mit den bekannten Folgen! Wir müssen endlich aus der Geschichte lernen, eine Demokratie muss sich demnach vor dem Faschismus schützen und darf niemals akzeptieren, dass die Faschisten die Demokratie von innen heraus zerstören. Faschismus ist nämlich keine Meinung sondern ein Verbrechen.
Übrigens sollten meiner Ansicht nach déi Lenk bei einer derartigen Initiative keinesfalls fehlen, sind doch auch sie klar Teil des demokratischen Spektrums, ganz im Gegenteil zur braunen ADR.

Fraulein Smilla antwortete am 11.09.202614:18 Uhr

Dass die Lenk nicht vertreten sind , ist doch eher der Tatsache geschuldet dass dei jonk Lenk mit diesen bourgeoisen Strebern nicht zu tun haben will .

Ujheen 10.09.202619:04 Uhr

Herzallerliebst, wierklech. Ech schmelze bei esouvill Naïvitéit
Trotzdem, bonne chance Kanner.

Norbert Campagna 10.09.202618:31 Uhr

Demokratie bedeutet Herrschaft des Volkes, und wenn über 50 % des Volkes Rechtsextreme wählt, dann verlangt das Demokratieprinzip, dass man dies respektiert. Anders das liberale Prinzip, das in Konflikt mit dem Demokratieprinzip treten kann. Unsere jungen Politiker täten gut daran, sich mit politischer Theorie zu befassen und die Begriffe dieser Theorie besser kennenzulernen. Demnach: Schutz der liberalen und sozialen Demokratie oder Schutz des demokratischen und sozialen Liberalismus oder Schutz des demokratischen und liberalen Sozialismus.

Fraulein Smilla antwortete am 11.09.202611:30 Uhr

@ Mathey -Hitler wurde nie an die Macht gewaehlt , weil die Weimacher Presidialdemokratie so nicht funktionierte . Er wurde von den von Papens , Hugenbergs , von Hindenburgs ( Oskar ) ....an die Macht gehievt , von Leuten die glaubten ihn kontrollieren zu koennen und dabei Hitlers politisches Talent komplett unterschaetzten . Tragischer weise geschah dies als die NSDAP schon auf dem absteigendem Ast war , +4 % Stimmenverluste innerhalb von 4 Monaten und die einsetzende wirtschaftliche Erholung in Deutschland ( Ian Kershaw , Hitler 1889 -1936 ) Was die AFD , fuer die ich 0 Sympathien habe , mit der NSDAP zu tun hat das entzieht sich mich meiner Kenntniss . Ihrem Fuehrerkult , ihren uniformierten Schlaegerbanden , ihren geheimen Waffenlagern ???

Guy Mathey antwortete am 10.09.202621:35 Uhr

Die NSDAP wurde seinerzeit auch demokratisch gewählt, die Folgen sollten allgemein bekannt sein, und genau daraus sind die sich aufdrängenden Konsequenzen zu ziehen.

Luxmann 10.09.202608:33 Uhr

Eine art wischiwaschi mitte welche die boesen extremen links und rechts ins abseits stellen will.
Der erfolg solcher initiativen sieht man ja in den nachbarlaendern.

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