Flughäfen
Können sie nicht lesen? E-Gates können Probleme mit dem neuen Luxemburger Pass haben
Schöne neue Technikwelt: Der neue Luxemburger Reisepass ist offenbar zu fortschrittlich für einige Airports. Betroffene Reisende müssen sich deshalb ganz analog an Grenzpersonal wenden.
Außenminister Xavier Bettel bei der Präsentation des neuen Luxemburger Reisepasses im März: „Ein Stück Freiheit“ Foto: Editpress-Archiv/Hervé Montaigu
Die Regierung informiert: Der Luxemburger Reisepass ist „uneingeschränkt“ für alle Arten von Auslandsreisen gültig. Das sind gute Nachrichten, hat es mit dem Dokument in der jüngeren Vergangenheit offenbar Ärger gegeben.
Der Piraten-Abgeordnete Sven Clement hatte diesem in der vergangenen Woche bereits als (noch unbeantwortete) Anfrage zu parlamentarischen Ehren verholfen. Laut Clement funktioniere der Pass nicht nur an einigen Flughäfen nicht, Grenzer in Thailand – und Frankfurt – könnten den Chip zudem überhaupt nicht auslesen. Auch die ESTA-App, mit der USA-Reisende ihre Ankunft bei den amerikanischen Behörden ankündigen müssen, würde fehlschlagen.
Das Passbüro der Luxemburger Regierung erklärt auf Tageblatt-Anfrage am Freitag, dass sie bis jetzt noch von keinem Land und keinem Flughafen über Probleme mit dem Pass informiert worden sei. Wohl seien aber einzelne Meldungen von Bürgern eingegangen.
Neueste Technik im Reisepass
Am Dienstagabend hatte das Luxemburger Außenministerium erklärt, dass Berichte zu „Problemen bei der elektronischen Lesbarkeit an bestimmten internationalen Flughäfen“ verzeichnet worden seien. Das läge aber nicht am neuen Pass – die neuen Modelle gibt es erst seit dem 11. Mai –, sondern an der Technik diverser Airports. Das neue Luxemburger Reisedokument ist nämlich auch mit der neuesten Funktechnologie ausgESTAttet. Wie bitte, ein Stück Papier, das funkt?
Aber ja: Bereits seit August 2006 sind die Luxemburger Pässe „elektronisch“. Seitdem dürfen wir beim Passfoto-Machen nicht mehr keck in die Kamera lächeln, sondern stieren schlecht gelaunt in die Linse. Damit eben jene gesichtserkennenden Computer an den automatischen Grenzposten nicht durcheinanderkommen.
Denn gespeichert waren schon im Chip der ersten E-Pass-Generation nicht nur Name, Geburtsdatum und Wohnort, sondern auch das Passfoto – und später auch die Fingerabdrücke. Der Luxemburger E-Pass war dabei ein echtes biometrisches Gemeinschaftsprodukt: Er wurde aufgrund Vorgaben der EU eingeführt, in Deutschland gebaut und vom luxemburgischen Außenministerium mit Daten beschrieben.
Ihr Reisepass muss zur Installation von Updates neu gESTArtet werden
Bekanntlich haben sich in den vergangenen 20 Jahren einige technologische Neuerungen materialisiert. Und dieser Fortschritt macht auch nicht vor den Pässen halt. Für die allerneueste Generation, die seit dem 11. Mai erhältlich ist, wurde natürlich ebenfalls die Elektronik geupdatet. Wie das Außenministerium am Dienstag schreibt, hat sich Luxemburg nämlich entschieden, „das neueste Sicherheitsprotokoll“ zu verwenden, das das Auslesen des Passes absichert.
„Ein Stück Freiheit“

Der neue Pass zeigt unter UV-Licht Luxemburg-Motive Foto: Editpress/Hervé Montaigu
„Es ist nicht nur ein Stück Papier. Unser Pass ist ein Stück Freiheit.“ Das sagte Außenminister Xavier Bettel (DP) bei der Vorstellung der neuesten Edition des Luxemburger Reisepasses im März. Tatsächlich öffnet das jetzt zehn Jahre gültige Dokument dem Inhaber Tür und Tor.
Laut Bettel kann man mit dem roten Büchlein in insgesamt 170 Länder visafrei einreisen. Der Henley Passport Index, ein globales Reisepass-Ranking, zählt sogar 186 Destinationen auf. Der Luxemburger Pass kommt gemeinsam mit anderen Ländern auf den vierten Platz der Liste.
Menschen, die in einigen dieser 186 oder 170 Länder leben, können von diesem Stück Freiheit nur träumen. Viele von ihnen müssen für eine Reise nach Luxemburg und damit in die Schengenregion ein aufwendiges Visumsverfahren durchlaufen. Von den 13.889 Kurzzeit-Visa, die 2025 nach Luxemburg beantragt wurden, wurden laut EU-Kommission 14,7 Prozent abgelehnt.
Der Ur-Elektropass nutzte noch das alte System „BAC“ (Basic Access Control). Das neue heißt „Pace“ (Password Authenticated Connection ESTAblishment). Pace werde erst „schrittweise“ zum internationalen Standard, schreibt das Außenamt am Dienstag. „Einige Grenzkontrollsysteme haben die Umstellung auf diese neue Technologie noch nicht abgeschlossen oder sind nicht ordnungsgemäß konfiguriert.“ Und das könne dann an bestimmten E-Gates zu „Leseproblemen“ führen.
Pass-Protokoll ist nicht neu
Dabei ist „Pace“ gar nicht so neu. Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO erlaubte seine Implementierung bereits 2010. Die EU-Kommission schreibt die zusätzliche Nutzung von Pace zu BAC sogar schon seit Ende 2014 vor. Heißt: Altes und neues Protokoll waren lange Zeit gleichzeitig auf den Pässen installiert. Die ICAO empfahl 2015 gar, dass Pace im Sinne der „globalen Interoperabilität“ nicht ohne Bac auf den Pass-Chip sollte. Auch der Luxemburger Reisepass unterstützt Pace bereits seit 2014, wie eine Sprecherin des Zentrums für Informationstechnologien des Staates (CTIE) am Donnerstag gegenüber dem Tageblatt bestätigt.

Automatische Grenzkontrolle in Rumänien (Symbolfoto): „Leseprobleme“ am Grenzposten Foto: AFP
Dass Pässe ausschließlich über das schicke neue „Pace“ verfügen, ist laut ICAO schon seit 2018 erlaubt. Das alte „BAC“ darf allerdings noch immer weitergenutzt werden. Erst ab 2028 sollen laut ICAO nur noch „Pace only“-Pässe ausgegeben werden. Bei Gültigkeitszeiträumen von zehn Jahren heißt das, dass es auch im Jahr 2037 noch Bac-Pässe im internationalen Reiseverkehr herumschwirren werden.
Analog zur Grenzkontrolle
Am Donnerstag bestätigt das CTIE dann auch die naheliegende Vermutung: Der neue Luxemburger Pass hat BAC schon jetzt abgeschafft. „Ab dem 1. Januar 2028 wird weltweit das Ausstellen von Pässen mit BAC verboten sein“, erklärt eine CTIE-Sprecherin. „Hätte Luxemburg 2026 weiterhin BAC verwendet, wäre 2027 eine erneute NeugESTAltung eines Pace-only-Passes nötig geworden – mit erheblichen Kosten.“
Damit sind die Pässe nicht alleine. Laut dem deutschen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik darf das alte „BAC“-Protokoll in Deutschland sogar seit „Juli 2021 bei neuen Dokumenten nicht mehr unterstützt werden“.
ESTA-Antrag: Besser am Computer
Seit 2009 müssen Personen, die in die USA einreisen wollen, einen Antrag im „Electronic System for Travel Authorization“ (ESTA) stellen. Das sollte mindestens 72 Stunden vor Reiseantritt geschehen. Eine ESTA-Genehmigung kostet derzeit 40,27 Dollar.
Reisenden mit dem neuen Reisepass empfiehlt die Passstelle der Regierung die Beantragung über einen Computer. Denn auch die Apps der US‑Einwanderungsbehörde scheinen noch nicht auf dem neuesten Stand zu sein. „Wir stehen in Kontakt mit den US-amerikanischen Behörden, damit die betreffenden Anwendungen entsprechend angepasst und die neuen luxemburgischen Reisepässe gelesen werden können“, schreibt die Passstelle.
Den Reisenden, die mit ihrem neuen Luxemburger Pace-Reisepass auf einen alten BAC‑Leser stoßen, hilft das erst mal wenig. Sie müssen dann ganz analog zu einer „klassischen Kontrollstelle (mit Personal)“, schreibt das Außenministerium.
Das CTIE sagt, dass die Leseschwäche das Lesegerät an sich betreffe, unabhängig davon, ob das automatisiert arbeite oder von einem Grenzbeamten bedient werde. „Ersten Analysen zufolge tritt die Problematik auf, wenn ein Lesegerät als Erstes das alte BAC‑Protokoll benutzt, um den Pass auszulesen“, erklärt die CTIE-Sprecherin. Die Behörde schließe derzeit aus, dass das daran liege, dass Leser den ICAO-Empfehlungen nicht folgen würden. „Diese Problematik wird momentan einer tieferen Analyse unterzogen“, heißt es vom CTIE.