Ungarn
Sozialwissenschaftler Zoltán Kmetty: Nach dem Machtwechsel warten große Herausforderungen
Die Euphorie ist groß in Ungarn nach dem Sieg von Péter Magyar und der Oppositionspartei Tisza bei der Parlamentswahl vom vergangenen Sonntag. Doch die 16 Jahre unter dem autokratisch regierenden Rechtspopulisten Viktor Orbán haben das Land geprägt. Der Soziologe Zoltán Kmetty, Research Professor am Budapester ELTE Centre for Sciences und Associated Professor in der Fakultät für Sozialwissenschaften, weist im Tageblatt-Gespräch auf die künftigen Herausforderungen hin.
Péter Magyar (l.) hält eine Nationalflagge nach dem erdrutschartigen Sieg seiner Partei Tisza bei den Parlamentswahlen in Budapest Foto: Tibor Illyes/TASR/MTI/dpa
Tageblatt: Hat Sie der klare Sieg von Péter Magyars Oppositionspartei Tisza über Viktor Orbáns Fidesz überrascht?
Zoltán Kmetty: Die meisten Umfragen zeigten vor der Wahl einen deutlichen Vorsprung der Tisza-Partei vor der Fidesz. Ich war mir nicht sicher, wie genau diese Umfragen waren, da es den Anschein hatte, dass Menschen mit größerem Interesse an Politik – die eher zu den typischen Tisza-Wählern zählen – eher dazu neigten, daran teilzunehmen. Daher rechnete ich zwar damit, dass Tisza mehr Stimmen erhalten würde, war mir aber aufgrund des ungarischen Wahlsystems* nicht sicher, ob dies für eine parlamentarische Mehrheit reichen würde. Vor diesem Hintergrund hat mich der sehr deutliche Sieg von Tisza überrascht. Er zeigt jedoch auch, dass die Meinungsumfragen sehr zutreffend waren, worüber ich mich als Soziologe besonders freue.