Kokain, Heroin, Cannabis, Fentanyl und mehr
Welche Drogen sind in Luxemburg im Umlauf? Zwei Experten klären auf
Europa wird seit Jahren von Kokain überschwemmt. Luxemburg ist dabei Abnehmer und Transitland zugleich. Über die Entwicklungen auf dem Rauschgiftmarkt sprach das Tageblatt mit Nadine Berndt, Leiterin des luxemburgischen Focal Point der Europäischen Drogenagentur, und Olivier Michels, Assistent des nationalen Drogenkoordinators.
Ein Tisch mit Drogen, Bargeld und Feinwaagen Foto: Police Grand-Ducale
Tageblatt: Ist der europäische Drogenmarkt derzeit stark von Kokain überschwemmt?
Nadine Berndt: Wir haben verschiedene Datenquellen. Eine Grundlage sind Umfragen, die wir als nationale Beobachtungsstelle für die Europäische Drogenagentur in Lissabon durchführen. Dazu gehören Umfragen in der allgemeinen Bevölkerung mit repräsentativen Stichproben. Diese Daten bestätigen bislang keine Kokainschwemme. Die Daten sind teilweise veraltet. Die jüngsten Erhebungen stammen von 2025 und werden derzeit ausgewertet. Die Auswertung soll bis Ende des Jahres vorliegen. Zudem gab es spezifische Umfragen unter Freizeitkonsumenten, etwa 2024 eine Online-Befragung unter Erwachsenen mit Drogenerfahrung. Dabei stellten wir fest, dass etwa jeder Zehnte im letzten Jahr Kokain konsumiert hatte. Eine weitere Umfrage unter Freizeitkonsumenten in Zusammenarbeit mit der NGO Pipapo zeigt über zehn Jahre einen leichten Anstieg des Kokainkonsums. Eine weitere Zielgruppe sind Hochrisikokonsumenten mit bereits entwickelter Drogenproblematik. Dort sehen wir einen Anstieg der Behandlungsanfragen wegen Kokain. Das zeigt einen Wandel. Vor zehn bis 15 Jahren führten vor allem Heroin und Opioide zu Behandlungsanfragen. Heute führt Kokain immer häufiger zu Behandlungen. Cannabis bleibt die häufigste Erstsubstanz in Behandlungen, gefolgt von Kokain und Opioiden. In den letzten zwei Jahren hat Kokain Heroin und Opioide übertroffen.