Radsport

Tour de France: Neue Welle von Dopingkontrollen bei mehreren Teams

Nach den nächtlichen Dopingkontrollen bei Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard wurden am Montagabend weitere Teams überprüft. Die Kontrolleure blieben diesmal zwar im üblichen Zeitfenster, dennoch sorgen die Maßnahmen im Peloton weiter für Diskussionen.

Bei Red Bull-Bora-hansgrohe um Remco Evenepoel wurden am Montagabend Dopingkontrollen durchgeführt

Bei Red Bull-Bora-hansgrohe um Remco Evenepoel wurden am Montagabend Dopingkontrollen durchgeführt Foto: AFP/Anne-Christine Poujoulat

Mehrere Teams der Tour de France, darunter Red Bull-Bora-Hansgrohe, Decathlon CMA CGM und Groupama-FDJ, erhielten am Montagabend während des Ruhetags Besuch von Kontrolleuren der International Testing Agency (ITA). Das bestätigten die betroffenen Mannschaften am Dienstag.

Im Gegensatz zu den nächtlichen Kontrollen bei Jonas Vingegaard und Tadej Pogacar, die von zahlreichen Fahrern als „unmenschlich“ kritisiert worden waren, fanden die Tests am Montag zu den üblichen Abendstunden statt – auch wenn einige Fahrer bereits im Bett lagen.

„Auch wir hatten gestern Abend Besuch. Einige Fahrer haben bereits geschlafen“, erklärte Ralph Denk, Teamchef von Red Bull-Bora-Hansgrohe. Die acht Fahrer des deutschen Teams, darunter Gesamtzweiter Remco Evenepoel, wurden gegen 22 Uhr kontrolliert.

Kontrollen im Testfenster

„Diese Kontrollen fielen in die üblichen Testfenster am Morgen oder Abend, die während der gesamten Tour angewendet werden und die viele Teams bereits erlebt haben. Es handelte sich also nicht um nächtliche Kontrollen wie bei Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard“, erklärte ein Sprecher von Red Bull-Bora-Hansgrohe.

Auch das Team Decathlon CMA CGM um Paul Seixas erhielt „am frühen Abend“ Besuch von den ITA-Kontrolleuren. Bei Groupama-FDJ wurden die sieben noch im Rennen befindlichen Fahrer gegen 20.30 Uhr getestet. Auch die Teams Picnic PostNL, Jayco-AlUla und Bahrain Victorious wurden kontrolliert.

Die Dopingkontrollen bei der Tour de France werden von der International Testing Agency (ITA) durchgeführt. Die unabhängige Organisation führt seit 2021 im Auftrag des Weltradsportverbands UCI dessen Anti-Doping-Programm durch. In der Nacht von Samstag auf Sonntag hatten ITA-Kontrolleure mit Tests bei Jonas Vingegaard um 2 Uhr und Tadej Pogacar um 5 Uhr morgens erhebliche Diskussionen im Peloton ausgelöst. Der Däne gab das Rennen anschließend nach einem Sturz auf der Sonntagsetappe auf.

Anfrage bei Pariser Gericht

Mehrere Fahrer, darunter Pogacar und Evenepoel – der selbst nicht geweckt worden war – bezeichneten Kontrollen zu solchen Uhrzeiten als „unmenschlich“. Üblicherweise finden Dopingkontrollen zwischen 5 Uhr morgens und 23 Uhr statt. Für die nächtlichen Tests hatte die ITA jedoch bei einem Pariser Richter eine Sondergenehmigung beantragt und erhalten. Grundlage dafür ist Artikel L.232-14-4 des französischen Sportgesetzes.

Nach dem Anti-Doping-Reglement der UCI dürfen Kontrollen zwischen 23 Uhr und 5 Uhr nur durchgeführt werden, wenn „schwerwiegende und konkrete Verdachtsmomente bestehen, dass ein Fahrer in Dopingaktivitäten verwickelt sein könnte“. Die ITA erklärte, man sei sich bewusst, dass nächtliche Kontrollen „die Ruhe und Erholung der Fahrer beeinträchtigen können“. Gleichzeitig betonte die Organisation jedoch, dass „wirksame Kontrollen unter begrenzten und gerechtfertigten Umständen auch außerhalb der üblichen Tageszeiten möglich sein müssen“.

Dopingsünder Vaughters befürwortet Kontrollen

Die Fahrergewerkschaft CPA verurteilte diese Praxis am Montagabend. Solche Kontrollen könnten „die Regeneration der Athleten während des wichtigsten und härtesten Rennens des internationalen Kalenders beeinträchtigen und stünden damit im Widerspruch zu den angestrebten Zielen“.

Eine gegenteilige Meinung vertrat Jonathan Vaughters, Teamchef von EF Education-EasyPost. Er begrüßte die nächtlichen Tests auf der Plattform X und schrieb: „Kontrollen um zwei Uhr morgens gehören zu den wirksamsten Mitteln, um Mikrodosierungen von Peptiden (EPO, Wachstumshormonen) und Testosteron zu verhindern.“

Vaughters war früher Fahrer im US-Postal-Team von Lance Armstrong und hatte 2012 eingeräumt, selbst gedopt zu haben. Später entwickelte er sich zu einem entschiedenen Befürworter des Anti-Doping-Kampfes. „Hätte uns die UCI im Jahr 2001 um zwei Uhr morgens kontrolliert, wären wir alle gesperrt worden. Dem Radsport wären dadurch 25 Jahre voller Skandale erspart geblieben“, schrieb Vaughters. „Es ist bedauerlich, dass Tadej (Pogacar) und Jonas (Vingegaard) heute für den Unsinn bezahlen müssen, den wir damals gemacht haben. Ehrlich gesagt müsste ich mich bei ihnen entschuldigen. Aber ich würde lieber etwas Schlaf verlieren, wenn der Sport dadurch an Glaubwürdigkeit gewinnt.“

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