Deutschland

Rüstungsgüter für „Abschiebeoffensiven“: AfD-Politiker Siegmund löst Empörung aus

Nach dem AfD-Sieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat deren Spitzenkandidat Ulrich Siegmund mit Äußerungen zu einem möglichen Einsatz von Rüstungsgütern bei „Remigrations- und Abschiebeoffensiven“ Empörung ausgelöst.

Demonstration gegen die AfD in Berlin

Demonstration gegen die AfD in Berlin Foto: AFP/John MacDougall

Siegmund hatte am Donnerstag nach seiner Wahl zum Fraktionsvorsitzenden der neu zusammengesetzten AfD-Landtagsfraktion vor Journalisten gesagt: „Wir verteufeln nicht pauschal die Produktion von Rüstungsgütern, weil wir bei späteren Remigrations- und Abschiebeoffensiven natürlich auch entsprechende Hilfsmittel brauchen.“ Hintergrund war eine Frage nach Plänen zur Ansiedlung eines Rüstungsunternehmens in Sangerhausen, die lokal umstritten ist und dort auch im Landtagswahlkampf ein Thema war.

Die Äußerungen fallen in eine Zeit, in der bundesweit erneut kontrovers über den Umgang mit der in Sachsen-Anhalt und anderen Bundesländern von den Verfassungsschutzbehörden als gesichert rechtsextrem eingestuften AfD debattiert wird. Die Partei gewann die Wahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag klar. Siegmund will Ministerpräsident werden und sucht derzeit nach Wegen, für seine Partei eine Regierungsmehrheit zu organisieren.

Forderungen nach Abschiebungen gehören seit langem fest zum Programm der AfD. In der Partei und ihrem Umfeld wird dafür das Wort „Remigration“ genutzt – ein rechtsextremistisches Konzept, das laut Verfassungsschutz auf die Schaffung einer durch ethnische Zugehörigkeit definierten Gesellschaft mittels massenhafter Ausweisung von „Volksfremden“ zielt.

Der SPD-Parlamentsgeschäftsführer im Bundestag, Dirk Wiese, sagte am Freitag, Siegmund wolle „seine Deportationspläne unter Zuhilfenahme von Kriegswaffen durchsetzen“. Damit habe er „jede rote Linie überschritten“. Massive Kritik kam auch von Linken und Grünen.

„So wie die Nazis damals kündigen auch diese Feinde der Demokratie an, was sie tun werden“, erklärte der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Sören Pellmann, am Freitag in Berlin. „Niemand soll später sagen ‚Ich habe es nicht gewusst‘“.

Grünen-Bundeschef Felix Banaszak bezeichnete Siegmunds Aussagen als „verstörend“. Sie offenbarten, „wie sehr die AfD bereit ist, über alle rechtsstaatlichen Grenzen hinwegzugehen, um ihre Ziele durchzusetzen“, sagte er dem Nachrichtenportal t-online.

Die Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt, Katja Pähle, erklärte, Siegmund spreche „über Gewalt als Mittel der Politik“. Es handle sich nicht um eine missverständliche Formulierung. „Das ist eine politische Drohung.“

3 Kommentare
Guy Mathey 12.09.202609:48 Uhr

Sören Pellmann's Aussage passt wie die Faust aufs Auge: "Niemand soll später sagen, Ich habe es nicht gewusst". Die Absichten der Hass und Hetze verbreitenden faschistischen AFD, welche u.a. Millionen Menschen deportieren will, queere Menschen diskriminieren und Inklusion abschaffen möchte, sind doch seit geraumer Zeit glasklar. Wenn diese AFD-Faschisten erst mal an der Macht angelangt sind, wird kein Grundgesetz sie mehr an ihren verbrecherischen Absichten hindern.
Deshalb ist es auf den ersten Blick umso unbegreiflicher, wieso CDU/CSU sich einem AFD-Verbot immer noch entgegenstellen, wo doch SPD, Grüne und Linke sich doch bereits seit geraumer Zeit klar dafür ausgesprochen haben. Bei genauerer Betrachtung stellt man jedoch fest, dass auf EU-Ebene die vom bayrischen Rechtsaussen Manfred Weber angeführte EVP, welcher u.a. CDU/CSU, jedoch auch die luxemburgische CSV angehören, bereits wiederholt gemeinsam mit den Faschisten abgestimmt hat...

Lucilinburhuc 12.09.202608:29 Uhr

Was hat der aalglatte Marketingmensch Siegmund den wohl gemeint? Production von Schlagstöxke, Bodycams, Pfefferspray und handwaffen ? Die Wunschliste von ICE, eben...

Grober J-P. 11.09.202621:20 Uhr

Siegmund, dann mal los. Fast 22 Millionen mit Migrationshintergrund in der BRD, wann fangen Sie denn an? Ihre Freundin ist ja bereits "remigriert", von alleine, die Jägerin!

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