Drei auf einen Schlag
Escher Gemeinderäte nominieren neue Schöffen
Staffelstabübergabe in der Escher Lokalpolitik: Der Gemeinderat bestimmt drei neue Schöffen. Bürgermeister Christian Weis würdigt André Zwally für dessen jahrzehntelanges Engagement.
Der Rücktritt von André Zwally löste am Mittwochmorgen im Gemeinderat viele Emotionen aus Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Nachdem die Gemeinde Esch vor rund einer Woche offiziell die Rücktritte der Schöffen André Zwally (CSV), Meris Sehovic („déi gréng“) und Pim Knaff (DP) bekannt gegeben hatte, tagte der Gemeinderat am Mittwochmorgen, um über die Nachfolge abzustimmen.
Opposition spricht Vertrauen aus
Die neuen Schöffen standen eigentlich längst vor der Wahl fest, wie das Tageblatt Anfang September berichtete. Demnach wählte der Gemeinderat erwartungsgemäß die von den jeweiligen Parteien vorgeschlagenen Kandidaten ohne Diskussion in den Schöffenrat: Pascal Bermes für die CSV, Mandy Ragni für „déi gréng“ und Daliah Scholl für die DP. Sie werden am kommenden Montag vom Innenminister vereidigt, bevor sie ihr neues Schöffenmandat ausüben können.
Sitzverteilung im Gemeinderat
- CSV: 6 Sitze
- LSAP: 6 Sitze
- „déi gréng“: 3 Sitze
- DP: 2 Sitze
- „déi Lénk“: 1 Sitz
- ADR: 1 Sitz
Dennoch erhielten nicht alle Kandidaten dieselbe Zustimmung: Während die 18 anwesenden Gemeinderäte in geheimer Wahl einstimmig Bermes das Vertrauen aussprachen, erhielten die beiden Frauen Ragni und Scholl jeweils eine Gegenstimme.
„Extrem schade“
Nach der Sitzung darauf angesprochen, sagte Ragni gegenüber dem Tageblatt: „Ich finde es extrem schade, dass im Jahr 2026 Frauen in der Politik immer noch nicht unterstützt werden.“ Scholl zeigte sich wenig überrascht von der Gegenstimme, warnte jedoch vor dem Rückschritt: „Ich habe das Gefühl, dass man sehr gut darauf aufpassen muss, dass verschiedene Errungenschaften für die Frau nicht verloren gehen.“
Mandy Ragni, „déi gréng“

Mandy Ragni wird neue Schöffin in Esch Foto: Editpress-Archiv/Julien Garroy
Die Erzieherin hatte eigenen Aussagen zufolge in der Vergangenheit zehn Jahre für die Gemeinde gearbeitet. Jetzt übernimmt sie das Amt von Meris Sehovic. Dem Tageblatt erzählt sie, dass sie sich vor allem für den Ausbau von Kindergärten einsetzen möchte.
Grundsätzlich führe Ragni jedoch die Arbeit von Sehovic fort, um das Koalitionsabkommen umzusetzen, sagt sie.
„Ich freue mich auf die neuen Herausforderungen. Das Leben ist ein ‚Life long learning‘ und ich freue mich, Neues zu lernen.“
Bereits am kommenden Montag wird Ragni in ihre neue Rolle schlüpfen, wenn sie um 18 Uhr im Rathaus das zukünftige Fahrradnetz vorstellt.
Im Fokus standen am Mittwoch vor allem die abtretenden Schöffen Knaff, Sehovic und Zwally. Bürgermeister Christian Weis (CSV) dankte ihnen für ihre Kollegialität und die Zusammenarbeit. „De Begrëff ‚Wiessel‘ ass immens vill gefall“, sagte er. Dies u.a. in der Presse und in der Gemeinde. Dennoch gebe es einen Unterschied zwischen Wechsel und Auswechslung, so Weis. Er stellte einen Vergleich zum Sport her und hob hervor, dass Knaff und Sehovic als Gemeinderäte weiterhin auf dem „Spielfeld“ bleiben.
Lediglich Zwally, dessen politische Karriere 2002 begann, tritt gleichzeitig aus dem Gemeinderat zurück, dies zum 30. September. Weis dankte ihm ausdrücklich für sein 24-jähriges Engagement für Esch und die Escher CSV. Nach Zwallys Ausscheiden aus dem Gemeinderat könnte nun Sarah Moreira für die Christsozialen nachrücken.
Pascal Bermes, CSV

Neu im Schöffenamt: Pascal Bermes Foto: Editpress-Archiv/Julien Garroy
Der Direktor des Escher „Lycée de Garçons“ möchte durch seine Arbeit in der Schule und das neue Amt in der Gemeinde „200 Prozent“ geben, wie er selbst sagt.
„Meine erste Priorität ist es, mich in die Dossiers einzuarbeiten und natürlich, den Koalitionsvertrag zu erfüllen.“
Bermes möchte die angefangenen Projekte abschließen und nennt u.a. die Sporthalle sowie den Plusbus. „Was mir ganz wichtig ist, ist alles, was die Wasserversorgung und die Kanalisation betrifft.“
Da Esch weiterhin wachsen werde, sei es ebenfalls wichtig, das Personal aufzustocken.

Emotionaler Abschied: André Zwally und Christian Weis liegen sich in den Armen Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Ein Schlussstrich
In seiner Abschiedsrede sagte Zwally: „24 Jahre sind ein langer Tag.“ Er habe im Laufe der Zeit viele Freundschaften geknüpft und große Gemeindeprojekte mitbetreut. Als Beispiel nannte er das neue Viertel „Nonnewisen“. Er lobte u.a. die rund 1.500 Gemeindeangestellten für deren Arbeit und richtete sich schließlich an die Räte: „Etwas darf man nie vergessen: Ihr seid hier für die Escher Bürger.“ Die Stadt Esch stehe nun vor großen Herausforderungen und es sei wichtig, „im Gedanken des Respekts, der Solidarität und vor allem im Gedanken der Menschlichkeit“ zu handeln.
Nachdem der formelle Teil der Gemeinderatssitzung abgeschlossen war, ertönte das Lied „Sweet Caroline“ im Party-Remix aus den Lautsprechern. Es wurde sich gegenseitig umarmt und Zwally erhielt ein Abschiedsgeschenk (ein Originalteil der Escher AEG-Lokomotive). Die Opposition hatte den Saal bereits verlassen.
Daliah Scholl, DP

Daliah Scholl übernimmt das Schöffenamt von Pim Knaff Foto: Editpress-Archiv/Julien Garroy
Sie gibt Musikunterricht und übernimmt gleichzeitig das Schöffenamt von Pim Knaff. Scholl möchte sich in Zukunft jede Woche mit den Dienststellen der Gemeinde treffen, um immer informiert zu sein, verrät sie gegenüber dem Tageblatt.
Drei Projekte liegen ihr besonders am Herzen: die Bibliothek, Chancengleichheit und die Sauberkeit.
Ihr sei es wichtig, „einen richtig guten Standort“ für die Bibliothek zu finden, da das derzeitige Gebäude nicht barrierefrei sei. Dennoch sei das Dossier schwierig und verlange noch viel Planung, so Scholl.
Die nominierte Schöffin möchte sich außerdem für mehr Chancengleichheit einsetzen: „Frauen und Mädchen sollen sich in unserer Stadt wohlfühlen.“ Neben Sensibilisierung möchte sie ein klares Zeichen gegen Gewalt setzen.
Esch werde zu sehr verschmutzt, sagt Scholl weiter. „Es gibt Hotspots, bei denen ich merke, dass der Müll zunimmt.“ Auf Nachfrage nennt sie das Brill-Viertel. „Eine saubere Stadt kommt jedem zugute.“