Nach EKABE-Vertragskündigung

„Fräie Lëtzebuerger Bauereverband“ warnt vor „Teufelskreis“ in der Landwirtschaft

Die Ekabe trennt sich von 68 Luxemburger Milchlieferanten. Für den „Fräie Lëtzebuerger Bauereverband“ offenbart die Entscheidung nicht nur die schwierige Lage vieler Betriebe, sondern auch grundlegende Probleme der Agrarpolitik und der Wettbewerbsfähigkeit des Sektors.

Die Ekabe-Kündigungen sind laut dem Bauernverband kein Einzelfall

Die Ekabe-Kündigungen sind laut dem Bauernverband kein Einzelfall Foto: Editpress/Julien Garroy

Die Kündigung von 68 Milchlieferverträgen durch die Ekabe hat in der Luxemburger Landwirtschaft große Verunsicherung ausgelöst. Für den „Fräie Lëtzebuerger Bauereverband“ (FLB) ist der Schritt jedoch weit mehr als ein Einzelfall. „Die Krise der Ekabe-Lieferanten ist kein Betriebsunfall“, heißt es in einer Stellungnahme. Vielmehr zeige sich eine „Systemkrise mit Ansage“.

Nach Ansicht des Verbandes folgt die Entscheidung einer klaren ökonomischen Logik. In globalisierten Märkten werde Produktion zunehmend dort organisiert, „wo sie am günstigsten ist“. Höhere Produktionskosten in Luxemburg, strengere Auflagen und komplexe Vorgaben führten dazu, dass lokale Lieferketten zunehmend durch günstigere Regionen ersetzt würden.

Die Kündigungen seien nur die sichtbarste Folge eines längerfristigen Trends. In mehreren Bereichen der Landwirtschaft sinke der Selbstversorgungsgrad, während die Importabhängigkeit wachse. Dieser Prozess verlaufe meist schleichend, habe aber weitreichende Folgen: eine zunehmende Abhängigkeit von internationalen Lieferketten und einen Verlust strategischer Versorgungssicherheit.

Der Teufelskreis der Landwirtschaft

Als zentrale Ursache sieht der Verband die politische Rahmensetzung. Umwelt-, Klima- und Tierschutzauflagen seien zwar berechtigt, würden aber in ihrer Gesamtheit zu selten auf ihre wirtschaftlichen Folgen geprüft. Daraus resultierten eine „schleichende Kostensteigerung auf allen Ebenen“ sowie eine wachsende administrative Belastung. Die Landwirtschaft werde so in eine dauerhafte Anpassungsspirale gedrängt: „entweder wachsen oder aufgeben“.

Hinzu komme ein Strukturproblem der Politik selbst: Landwirtschafts-, Umwelt- und Energiepolitik folgten oft getrennten Logiken, wodurch widersprüchliche Zielsetzungen entstünden.

Der FLB beschreibt die Entwicklung als „Teufelskreis“: steigende Kosten, sinkende Wettbewerbsfähigkeit, Produktionsverlagerung, steigende Importe – und dadurch weiter geschwächte heimische Strukturen. „Dieser Kreislauf ist selbstverstärkend“, warnt der Verband.

Die Folgen reichten weit über die Landwirtschaft hinaus: Mit jedem Betrieb gingen regionale Wertschöpfung, Arbeitsplätze und ländliche Strukturen verloren. Auch die Bereitschaft zur Hofübernahme sinke angesichts hoher Investitionen und unsicherer Perspektiven.

FLB fordert Kurswechsel in der Agrarpolitik

Als Konsequenz fordert der FLB eine grundlegende Neuausrichtung der politischen Steuerung. Es brauche eine übergreifende Strategie, die ökologische, wirtschaftliche und soziale Ziele besser miteinander verknüpfe – von den Entscheidungen auf EU-Ebene bis hin zum einzelnen Betrieb.

Zudem müsse die Rolle des Staates neu definiert werden. Statt immer detailliertere Vorgaben zu machen, solle die Politik verlässliche und langfristig planbare Rahmenbedingungen schaffen. Drittens fordert der Verband einen konsequenten Bürokratieabbau. Die Betriebe müssten wieder mehr Zeit für ihre eigentliche Arbeit haben, statt durch Dokumentations- und Verwaltungspflichten belastet zu werden. (DJ)

3 Kommentare
Guy Mathey 02.06.202619:59 Uhr

Der vom FLB beschriebene Teufelskreis des Wachstums trifft in der Tat für viele Bereiche zu und hat meistens schlimme Folgen für Mensch und Umwelt. Es gilt generell Alternativen zum Wachstumsmodell zu finden und die realen Bedürfnisse von Mensch und Umwelt stärker in den Fokus zu nehmen.
Für die Landwirtschaft bedeutet dies die Produktionen wieder zu extensivieren, mit dem Ziel mittelfristig den Bioanteil erheblich zu stärken, ja das langfristige Ziel eines Landes wie Luxemburg sollte 100% Biolandwirtschaft sein. Dazu müssen durch die Politik die erforderlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Genossenschaftliche Strukturen, in welchen die Landwirt*innen selbst demokratisch mitentscheiden, wie etwa Luxlait, Biog, usw, müssen gegenüber Industriegiganten wie etwa Lactalis bevorzugt werden.
Und was die Betriebsnachfolge in landwirtschaftlichen Betriebe betrifft, wäre das Genossenschaftsmodell nicht auch hier eine absolut brauchbare Alternative, zum traditionellen Familienbetrieb?

Millie 02.06.202616:49 Uhr

190 Geschäfte haben 2025 Konkurs angemeldet, 130 Betriebe im HORECA Sektor, wieso sollte es bei den Bauern anders sein?

Freie Marktwirtschaft.

Wer es nicht schafft, muss aufgeben, restrukturieren, verkaufen oder sich einen Job suchen.
Diese Bauern besitzen Land im Millionenwert, nicht zu vergleichen mit den hunderten von Verkäuferinnen die letztes Jahr ihren Job verloren haben.

Grober J-P. antwortete am 03.06.202609:22 Uhr

Millie, bitte nicht so negativ. Martine wird die feindliche Übernahme der EKABE jetzt sofort einleiten. Wie damals zu Erichs Zeiten, Genossinnen, Genossen, macht euch bereit, Martine muss unterstützt werden. Ich will doch nicht auf meine Sauerrahm aus Eeschwëller verzichten. UNSERE Kühe sind die BESTEN.??
Aber, Ihre Idee mit dem Land, also Bauland, ist nicht schlecht. Bauerngenossen schaffen Billigwohnungen für die Wohnungslosen, herrlich, "Bauern bauen für euch", die Raiffeisenkassen vergeben Kredite zum Nulltarif und GIO und Cie. sind weg vom Fenster. Lasst uns träumen.

Manfred Reinertz Barriera 02.06.202615:38 Uhr

"In globalisierten Märkten werde Produktion zunehmend dort organisiert, „wo sie am günstigsten ist“
diese Binsenweisheit scheint auch endlich in der heimischen Agrarpolitik angekommen zu sein. Aber was will denn unsere geschätzte Regierung tun, um diese vielen nationalen Milchbetriebe zu retten?

Das könnte Sie auch interessieren