Staatsfinanzen

Finanzminister Roth kann sich zweite Auflage der Kriegsanleihe vorstellen

Der Finanzminister schließt eine zweite staatliche Kriegsanleihe nicht aus – begründet mit der „geopolitischen Lage“. Der erste Bond war nach einem Tag ausverkauft.

Gilles Roth spricht bei der Pressekonferenz zum ersten Defence Bond über Sicherheitsfinanzierung und Verteidigungsanleihen.

Gilles Roth bei der Pressekonferenz zum ersten „Defence Bond“ Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Finanzminister Gilles Roth (CSV) kann sich einen zweiten „Defence Bond“ vorstellen, also eine weitere staatliche Anleihe zur Anschubfinanzierung der Luxemburger Rüstungsindustrie. Hintergrund sei die „geopolitische Situation“, die sich schnell verändern könne, sagte Roth im Interview mit 100,7 am Freitag.

Der erste „Defence Bond“ für Privatanleger war am 15. Januar gestartet und bereits am Folgetag ausverkauft. Das Volumen lag bei 150 Millionen Euro, der Zinssatz bei fixen 2,25 Prozent pro Jahr. Roth deutete an, dass die Popularität auch mit der aktuellen internationalen Bedrohungslage zusammenhänge.

Kritik, wonach der Bond Bürger finanziell an Aufrüstung beteilige und diese dadurch weniger hinterfragt werde, wies Roth zurück. Es handele sich um ein „Invest in den Frieden“ und einen Beitrag zum Erreichen von NATO-Zielen. Gleichzeitig räumte der Minister ein, dass die Konstruktion für den Staat auch aus Zinsgründen attraktiv sei: Bei institutionellen Geldgebern hätte man kaum günstiger leihen können.

Roth verwies zudem darauf, dass rund 90 Prozent der Zeichner im Land wohnen und keine Quellensteuer auf Zinsen zahlen. Auf den Einwand, dass davon vor allem Menschen mit ausreichendem Kapital profitieren, reagierte er ausweichend und verwies auf das „progressive“ gesetzliche Steuerregime. Neben möglichen Anleihen für Wohnungsbau oder Energiewende schloss Roth jedoch ausdrücklich nicht aus, dass ausgerechnet die „Kriegsanleihe“ als Erstes eine Fortsetzung bekommt.

4 Kommentare
Grober J-P. 24.01.202609:10 Uhr

Der Nachwuchs wollte sich auch was anleihen, fürs Heim, leider ging der Versuch daneben. :-)
Kriegsanleihe in .... Maschinengewehre, Robotsoldaten, Tarnkappe für die neue Embraer?

Phil 23.01.202623:47 Uhr

Schon der 1. Weltkrieg wurde auf deutscher Seite zu 60% aus Kriegsanleihen finanziert, welche nach Kriegsende wertlos waren. Das gleiche traurige Szenario hat sich 25 Jahre später nach dem 2. Weltkrieg wiederholt, die Anleger verarmt.
Auch die USA haben ihren Kriegseintritt nach Pearl Harbor im Jahr 1941 durch War Bonds finanziert, nur mit Unterschied, dass fast 85 Mio. US Anleger tatsächlich in den Genuss der Zinsen kamen. Ausserdem waren die Schlachtfelder weit fernab, was bei uns nicht der Fall ist.
Ebenso sollten sich unsere Anleger bewusst sein, dass ihre Gelder in Waffen und Munition investiert werden. Nein Danke Herr Roth, so billig kommen sie nicht an meine Ersparnisse, nicht für Kriegsspielzeug. Ausserdem wäre das für mich ein moralisches No-Go!
Rheinmetall generiert im Vergleich mit Herrn Roth's armseligen Krümelzinsen seit knapp 4 Jahren Rekordgewinne. Ein Erwerb der Aktie käme aus genannten Gründen definitiv nicht in Frage.

Manfred Reinertz Barriera 23.01.202618:27 Uhr

Gemäss Maastricht-Kriterien kann ein EU-Staat bis 60 % seines BSP leihen gehen, also machen Sie ruhig weiter, so Herr Roth, Interessenten gibt es genug, die ihre Anleihen zeichnen werden...

Yves ALTWIES antwortete am 23.01.202620:16 Uhr

Sie meinen die seit geraumer Zeit, aufgeweichten, fuer Luxemburg, nichtausagenden Maastricht-Kriteren ? Anscheinend wird nicht Ihr Land in den Ruin getrieben ? Eventuelle doppelte Staatsbuergerschaft hin o. her. MfG

Yves ALTWIES 23.01.202614:40 Uhr

"Hintergrund sei die „geopolitische Situation“, die sich schnell verändern könne, sagte Roth im Interview mit 100,7 am Freitag."

Der wahre Hintergrund ist wohl eher bei den desolaten Staatsfinanzen u. den vor den naechsten Wahlen provisorisch zu stopfenden Finanzierungsengpaessen zu suchen. Da besagte Zinsen erst nach den Wahlen faellig werden, hofft man wahrscheinlich auf diese Weise die Finanzlage zu beschoenigen. Eine andere Erklaerung gibt es nicht fuer die anachronischen "Defence Bonds" à la luxembourgeoise, Erfolg hin o. her. Bei nur 3 Jahren Laufzeit tendiert das Risiko gen Null.
Zur Errinnerung, fuer 2029, nach den Wahlen sind jetzt schon 733 Millionen alleine an Zinsrueckzahlungen festeingeplant.

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