PISA-Debakel
Meisch ist „ziemlich fest entschlossen“ bei strengerem Handyverbot
Bildungsminister Claude Meisch (DP) hat am Mittwochmorgen bei Radio 100,7 auf die PISA-Ergebnisse reagiert. Der Rückgang der Lesekompetenz bereite ihm die größten Sorgen.
Besorgt von der mangelnden Lesekompetenz: Bildungsminister Claude Meisch Archivfoto: Editpress/Julien Garroy
Der Einbruch bei der Lesekompetenz ist für Claude Meisch das alarmierendste Ergebnis der PISA-Studie 2025. Das sagte der Bildungsminister am Mittwochmorgen als „Invité vum Dag“ bei 100,7. Es werde anders gelesen, oberflächlicher und weniger tief. Komplexe Texte würden schlechter verstanden. Mehr als ein Drittel der 15-Jährigen erreichten nicht das Niveau, das sie bräuchten, um in der Gesellschaft und im Berufsleben zurechtzukommen.
Wenn ich einen komplexen Text nicht mehr verstehen kann, dann verstehe ich auch eine komplexe Gesellschaft nicht mehr
Claude Meisch
Bildungsminister
Beim Handy in der Schule kündigte Meisch eine Verschärfung an. Er sei „ziemlich fest entschlossen“. Entscheiden will der Minister aber erst nach Gesprächen mit Direktionen, Lehrern und Schülervertretern, denn: „Eine Regel funktioniert besser, wenn die Betroffenen sie einsehen, als wenn der Minister sie morgens im Radio verkündet.“ Bisher gilt, dass das Smartphone während des Unterrichts weggelegt wird. Das reiche nicht, so Meisch. Die Verschärfung soll auch ein Signal an die Eltern sein.
Lesekultur im Kinderzimmer
Die Schule allein könne das Problem nicht lösen. 36 Wochen im Jahr, rund 30 Stunden pro Woche: Außerhalb davon habe sie kaum Einfluss, und hier werde der familiäre Hintergrund relevant, so Meisch. „Wo Eltern von klein auf vorlesen und wo zu Hause eine Lesekultur besteht, stellt sich das Problem deutlich seltener.“ Nach dieser Studie brauche es deshalb eine gesellschaftliche Debatte, die über die Grenzen der Schule hinausgehe.
Als positives Ergebnis wertete Meisch, dass der Leistungsunterschied zwischen Schülern mit und ohne Migrationshintergrund deutlich kleiner geworden ist. Auf den Einwand, die Luxemburger Schüler könnten auch einfach schlechter geworden sein, sagte er, das müsse evaluiert werden. Auch bei den digitalen Kompetenzen habe die Schule Fortschritte gemacht. Der sozioökonomische Hintergrund wirke dagegen unverändert stark.
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Minister hält an Projekt Alpha fest
42 Prozent der Teilnehmer wählten laut Meisch Französisch als Sprache für den Fragebogen, obwohl in der Regel auf Deutsch unterrichtet wird. Für ihn ist das ein Argument für Projekt Alpha. Selbst wer auf Deutsch alphabetisiert worden sei, greife Jahre später zum französischen Fragebogen. Was die Alphabetisierung auf Französisch bei PISA bringe, werde sich erst in zehn bis 15 Jahren zeigen.
Dass fast ein Drittel der Schüler die Schule für verschwendete Zeit halten, nannte Meisch „krass“. Lehrer sagten, die Schüler wollten nicht. Die Schüler sagten, die Lehrer erreichten sie nicht. Aus diesem Teufelskreis müsse man heraus. Mit dem Finger aufeinander zu zeigen, bringe nichts.
CSJ öffnet Kostendebatte
Die Aussagekraft der Studie verteidigte der Minister. Man würde sich selbst belügen, wenn man die Ergebnisse nicht ernst nähme. PISA halte dem Schulsystem und der Gesellschaft den Spiegel vor. Gewerkschaften, Direktionen, Eltern- und Schülervertreter hat Meisch zu einem Dialog über die Ergebnisse eingeladen.
Die jungen Christlichsozialen der CSJ nannten die Ergebnisse in einem Kommuniqué „alarmierend“. Luxemburg gebe pro Schüler über die gesamte Schullaufbahn mehr als 248.000 Euro aus und damit doppelt so viel wie Frankreich, Italien oder Irland. Die Leistung der Schüler stehe in keinem Verhältnis zu den Kosten des Schulsystems. Meisch habe sein Versprechen einer faireren und sozial gerechteren Schule nicht gehalten. Ihr Fazit: „Eng kloer Datz“ für den Minister.
Allerdings sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass die CSJ die letzte PISA-Studie in Luxemburg auf 2015 datiert. Tatsächlich erfolgte die letzte Teilnahme Luxemburgs im Jahr 2018. Die Einbußen bei der Lesekompetenz schlagen sich also bereits in realpolitischen Zusammenhängen nieder.