WM-Kolumne „Hasta la Visa“

Die ärmsten Säue: Sportredakteur Dan Elvinger über die WM-Schiedsrichter

Der Weltverband FIFA hat an vieles gedacht: an Technik, an Kontrolle, an Transparenz. Nur an eine Kleinigkeit offenbar nicht – dass Menschen noch miteinander sprechen müssen.

Die ärmsten Säue: Sportredakteur Dan Elvinger über die WM-Schiedsrichter

Grafik: Editpress

Der Weltverband FIFA hat an alles gedacht, nur an ein Detail nicht, das in den kommenden Wochen noch wichtig werden könnte: Untertitel.

Zuschauer und Spieler fragten sich beim Eröffnungsspiel der WM, was Schiedsrichter Wilton Sampaio da gerade in sein Headset gestammelt hatte, um seine Platzverweis-Entscheidung mitzuteilen. Nach mehrmaliger Analyse des Videos haben wir eine Transkription hinbekommen: „Eeeh ... arms directed in the ... eeeh ... in the face of ... eeeh ... the defender.“ So weit, so gut.

Die Schiedsrichter sind bei der diesjährigen WM nicht nur gezwungen, ihr bestes Englisch aufzutischen, sondern sind auch sonst die ärmsten Säue.

Zunächst wurde dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan die Einreise in die USA verweigert. Die „Border Control“ hatte ihn wahrscheinlich mit einem Piraten verwechselt, der, wie Trump es einmal sagte, aus einem Land kommt, „das praktisch nur gut darin ist, große Schiffe zu kapern“. Kein Wunder, dass der belgische VAR-Referee Bram van Driessche ohne Probleme einreisen konnte. Mit Pommes und Bier im Gepäck kann man nämlich Trumps „Magas“ zufriedenstellen.

Wenn man die Passkontrolle endlich überstanden hat und auf dem Platz steht, kommt die nächste Hürde. Seit Turnierbeginn tragen die Unparteiischen eine Art „Dashcam“, um jeden Unfall (oder jeden Fehler) festzuhalten. Den Zuschauern soll die Perspektive der Schiedsrichter aufgezeigt werden. Blöd nur, wenn genau in einem entscheidenden Moment eine Fliege vor der Kamera auftauchen und den Blick für Millisekunden ablenken würde. Ein Millionenpublikum würde darin einen Konzentrationsfehler sehen, dabei war es eigentlich nur höhere Gewalt.

Und dann wäre noch der VAR. Mein persönlich liebstes Kind. Ich freue mich bereits darauf, mich über die Entscheidungen dieser selbstverliebten Technologie aufzuregen. Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Wenn man sich eine Mega-Zeitlupe einer Szene anschaut, muss man eigentlich jede Form von Logik beiseiteschieben. Wenn man das schafft, dann trifft man meistens die gleichen Entscheidungen wie die Schiedsrichter. Und die würde so klingen: „eeh ... red ... eeh ... card“.

Brasilianischer Schiedsrichter Wilton Sampaio erklärt Platzverweis von Südafrikas Themba Zwane bei Fußballspiel

Der brasilianische Schiedsrichter Wilton Sampaio hatte so seine Probleme, den Platzverweis des Südafrikaners Themba Zwane zu erklären Foto: AFP/Carl de Souza

1 Kommentare
Jean-Marie Grober 13.06.202616:48 Uhr

Die Zukunft des Fussballs: Spieler ohne Arme, mit Schuhgrösse 39, kurzen Nasen und kleinen Ohren, damit nichts über die VAR-Linie herausragt. Dann Schiedsrichter mit Übersetzungschip unter der Kopfhaut und einem Robocop-Auge, um alles genau im Blick zu haben. Am besten gleich mit den neuen chinesischen Roboter eine Mannschaft bilden, um die gegnerischen Robo-Spieler platt zu machen. Auch diesmal, nach 2014, 2018 und 2022, werde ich wohl zufällig aus der Zeitung oder den TV-News erfahren, wer denn Fussball-Weltmeister 2026 geworden ist. Nur gut, dass ich mich an das 1-1-von Jeunesse Esch gegen FC Liverpool 1973 erinnern kann. Das war noch Fussball! Grüsse an den Capo di tutti capi der MaFIFA! Möge er aus dem Hintern des Orange Jerk herausfinden!

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