Davis Cup

„Wir waren das bessere Team“: FLT-Herren souverän unter dem Erwartungsdruck

Chris Rodesch und Alex Knaff haben Luxemburgs Tennis-Herren zu einem souveränen 3:1-Sieg im Davis-Cup-Heimspiel geführt. In den Play-offs gegen die Ukraine hielt das Team von Kapitän Gilles Muller dem Druck stand und sicherte den Klassenerhalt in der Weltgruppe I.

Tennis-Nationalmannschaft jubelt nach Klassenerhalt in Weltgruppe I Teamfeier und Erfolg im Tennis-Wettbewerb

Die Tennis-Nationalmannschaft feiert den Klassenerhalt in Weltgruppe I Fotos: Editpress/Fernand Konnen

Der Matchball sitzt, das Doppel ist vorbei und die Zuschauer jubeln. Es ist der Moment, in dem Chris Rodesch und Alex Knaff am Sonntag alles klargemacht und Luxemburg vorzeitig den Klassenerhalt in der Weltgruppe I des Davis Cup gesichert haben. Bereits am Vortag hatten beide mit ihren Einzelsiegen den Grundstein gelegt. Am Ende steht ein dominanter Auftritt des luxemburgischen Teams.

Ein entspanntes Wochenende erlebte Kapitän Gilles Muller dennoch nicht. „Vom Resultat her war es klar – entspannend war es aber nicht“, sagte der frühere Weltranglisten-21. „Jeder hat erwartet, dass wir gewinnen. Es war ein anderer Druck als in den vergangenen Jahren, in denen wir als Outsider galten.“

Diesmal waren die „Roten Löwen“ favorisiert. Bereits auf der Pressekonferenz vor dem Duell mit der Ukraine hatte Muller davor gewarnt. Mit dem Erwartungsdruck kamen seine Spieler in der Begegnung jedoch gut zurecht.

Optimaler Start

Im ersten Match des Wochenendes legte Rodesch (ATP 138) am Samstag vor. Luxemburgs Nummer eins traf im Auftaktspiel auf Oleksii Krutykh (ATP 569), die Nummer vier des ukrainischen Aufgebots. Rodesch dominierte die Partie von Beginn an mit einem druckvollen Aufschlag, dem sein Gegner wenig entgegenzusetzen hatte. Beim Stand von 2:1 gelang ihm das erste Break, das Krutykh in der Folge nicht mehr kontern konnte. Den ersten Satz entschied Rodesch mit 6:3 für sich.

„Ich war am Anfang ein bisschen nervös, weil er einen unorthodoxen Spielstil hatte. Es war hart, meine Schläge zu finden. Aber ich habe mich angepasst und mental einen guten Job gemacht“, blickte er später zurück.

Im zweiten Satz gab Rodesch dann klar den Ton an. Beim Stand von 1:1 nahm er Krutykh erstmals den Aufschlag ab, wenig später folgte das zweite Break zum 4:1. Mit einem weiteren Serviceverlust seines Gegners beendete Rodesch die Partie nach 1:07 Stunden deutlich mit 6:3, 6:1.

„Aufgrund der zuletzt starken Ergebnisse von Chris hat jeder erwartet, dass er das hier locker macht. Das hat er im Endeffekt getan. Am Anfang der Woche hat man ihm die Anspannung aber schon angemerkt“, erklärte Muller. „Wir haben viel geredet, am Ende hat er es top gemacht.“

Chris Rodesch erzielt am Samstag die entscheidende 1:0-Führung im Fußballspiel

Chris Rodesch erzielt am Samstag die 1:0-Führung

Rodesch gelang es, den Druck von außen auf dem Platz auszublenden. „Einerseits war es vielleicht auf mentaler Ebene ein bisschen schwieriger. Aber ich war im Tunnel und habe mich auf mein Spiel konzentriert“, so Rodesch. „Es ist im Moment auch ein Vorteil. Jeder Gegner weiß, dass ich Selbstvertrauen habe. Ich habe gespürt, dass mein Gegner Respekt hatte. Das konnte ich in meinen Schlägen und Initiativen nutzen.“

Ich habe gespürt, dass mein Gegner Respekt hatte. Das konnte ich in meinen Schlägen und Initiativen nutzen.

Chris Rodesch

über seine starke Form

Nachdem der 24-Jährige die FLT-Herren mit 1:0 in Führung gebracht hatte, legte anschließend Knaff (ATP 687) nach. Vor allem der erste Satz gegen den in der Weltrangliste um 188 Plätze besser klassierten Vladyslav Orlov (ATP 499) war umkämpft. Die Entscheidung fiel erst im Tiebreak. Dort zeigte sich Knaff dann hochkonzentriert und setzte sich klar mit 7:2 durch. Im zweiten Satz waren beide Spieler noch bis zum 2:2 auf Augenhöhe, mit stabilem Service und zwei Breaks machte Knaff aber nach 1:33 Stunden den zweiten luxemburgischen Sieg perfekt (7:5, 6:2) und erhöhte die Führung der FLT-Herren auf 2:0

„Ein komplettes Wochenende“

Damit war die Ausgangsposition für den zweiten Tag optimal. Im Doppel wollte Muller nichts mehr dem Zufall überlassen und setzte erneut auf das stärkste luxemburgische Duo Rodesch/Knaff. „Wir haben mit Raphael (Calzi) und Louis (Van Herck) zwei gute Ersatzspieler im Doppel, aber wenn Alex und Chris in Topform sind, ist das unser bestes Team“, so Muller. „Am ersten Tag mussten sie sich nicht zu sehr verausgaben. Sie haben sich physisch gut gespürt. Deswegen ist die Wahl auch für das Doppel auf sie gefallen.“

Alex Knaff besiegt höher platzierten Gegner im Tenniseinzel überraschend deutlich

Alex Knaff bezwang im Einzel einen um 188 Plätz besser klassierten Spieler

Gegen Orlov und Oleksandr Ovcharenko (ATP 498) entwickelten sich im Doppelmatch dann vor allem die Aufschlagspiele der Ukrainer zu umkämpften Angelegenheiten, da die Luxemburger konsequent auf das Break drängten. Bei eigenem Service agierte das FLT-Duo hingegen äußerst stabil. Das entscheidende Break gelang dann beim Stand von 4:4, wenig später holten die Luxemburger den ersten Satz mit 6:4. Die Ukrainer standen nun massiv unter Druck, um die Vorentscheidung abzuwenden – und verloren gleich ihren ersten Aufschlag im zweiten Satz. Diesem frühen Break liefen sie fortan hinterher. Mit einem weiteren Serviceverlust der Ukrainer machten Knaff und Rodesch endgültig alles klar (5:2) und entschieden die Partie nach 1:36 Stunden mit 6:4, 6:2 für sich.

Nachdem Luxemburg vor einem Jahr gegen Litauen erstmals in die Weltgruppe I des renommiertesten Wettbewerbs für Tennis-Nationalmannschaften aufgestiegen und im September anschließend Chile unterlegen war, haben die FLT-Herren in den Play-offs nun den Klassenerhalt gesichert. Das abschließende Einzel von Raphael Calzi gegen Ovcharenko (4:6, 4:6) hatte lediglich noch statistischen Wert.

Am Ende stand ein 3:1-Erfolg. „Wir haben ein komplettes Wochenende gemacht. Wir haben uns auf jeden einzelnen Punkte konzentriert, das ist uns gut gelungen“, so Rodesch. „Wir sind sehr froh, wieder in Weltgruppe I zu sein.“

Eine große Nation als nächster Gegner?

Dem schloss sich Knaff an. „Im Doppel hatten wir beide Höhen und Tiefen in unserem Spiel, aber wir haben bei jedem Punkt alles gegeben und unsere Aufschläge gehalten“, sagte der 28-Jährige. „Wir waren das bessere Team.“

Gilles Muller schaut nach souveränem Tennissieg ernst, kein entspanntes Wochenende in Aussicht

Gilles Muller blickt trotz des souveränen Sieges nicht auf ein entspanntes Wochenende zurück

Im September steht für die FLT-Herren nun das nächste Duell im Davis Cup an. Welcher Gegner in der Weltgruppe I wartet, entscheidet sich am Donnerstag bei der Auslosung. „Japan oder Serbien sind mögliche Gegner“, so Knaff. „Was möglich ist, hängt natürlich von der Setzliste ab. Aber es sind ein paar coole, große Nationen dabei.“

Für Rodesch geht es nun zunächst mit Challenger-Turnieren in Lille (F), Lugano (I) und Thionville (F) weiter. Anschließend stehen die Qualifikation für die Miami Masters (ATP 1.000) sowie ein Turnier in Mexiko auf dem Programm. „Das Ziel ist es, mit diesen fünf Turnieren direkt das Hauptfeld der French Open zu erreichen. Ich muss 150 Punkt holen; das ist, denke ich, machbar.“

Ein Wiedersehen mit Nationalmannschaftskollege Knaff könnte es in Thionville geben: Der Sportsoldat hat eine Wildcard beantragt. Spätestens im September stehen beide wieder gemeinsam für Luxemburg auf dem Platz.

„Sehr schwer, Luxemburg auf heimischem Boden zu schlagen“

Der ukrainische Kapitän Orest Tereshchuk hatte nach der Niederlage seiner Mannschaft viel Lob für das Luxemburger Team übrig: „Chris und Alex haben auf einem sehr hohen Nievau gespielt. Sie überzeugten mit starken Aufschlägen und aggressiven Returns. Der Belag kam ihrem Spielstil optimal entgegen. Die Organisation und das Team sind sehr professionell. Unter diesen Voraussetzungen wird es für jeden Gegner sehr schwer, Luxemburg auf heimischem Boden zu schlagen.“

So verliefen die Spiele

Chris Rodesch - Oleksii Krutykh 6:3, 6:1

Es passte wie die Faust aufs Auge, dass die „Musique militaire grand-ducale“ während der Eröffnungszeremonie das Publikum mit dem Kulthit „Don’t Stop Me Now“ von Queen anheizte, denn Luxemburgs Nummer eins Chris Rodesch (ATP 138) ist momentan überhaupt nicht zu bremsen. Gegen den Ukrainer Oleksii Krutykh (ATP 569) übernahm der zweimalige Turniersieger der vergangenen Wochen vom ersten Ballwechsel an das Kommando. Ein Ass, ein krachender Vorhandwinner und ein Smash im Auftaktspiel setzten früh den Ton und Rodesch hielt die Schlagzahl über die gesamte Partie hoch. Nach 6 weiteren Assen und einer Serie sauber herausgespielter Winner war der erste Satz für Rodesch mit 6:3 entschieden. Seine Ausbeute bei den Break Points (1 von 7) ließ zwar zu wünschen übrig, aber Luxemburgs Hoffnungsträger agierte intelligent und mit dem Selbstvertrauen eines Spielers, der weiß, dass er derzeit in der Form seines Lebens ist. Im zweiten Satz versuchte Krutykh mit mehr Risiko das Ruder herumzureißen, produzierte jedoch damit vor allem Fehler. Rodesch blieb aggressiv und drei Breaks später war sein Arbeitstag nach einem 6:1 beendet.

Alex Knaff - Vladyslav Orlov 7:6, 6:2

Die Hoffnungen der Ukraine ruhten auf dem zweiten Einzel des Tages. Ihre nominelle Nummer eins, Vladyslav Orlov (ATP 499), traf auf Alex Knaff (ATP 687). Nach einem holprigen Start, in dem der Luxemburger noch nach dem richtigen Timing suchte, fand er zunehmend die Schlaghärte und Präzision, die sein Spiel ausmachen. Der etwas ältere Orlov verlangte Knaff im ersten Satz jedoch alles ab. Beide servierten stabil, Breakchancen blieben Mangelware und der Tiebreak musste entscheiden. Dort zeigte Knaff Nervenstärke, zog das Tempo an und brachte seine Mannschaft nach 51 intensiven Minuten mit 7:6 auf Kurs. Im zweiten Satz stieg das Niveau an, vor allem aufseiten des Luxemburgers. Knaffs Vorhand diktierte die Ballwechsel und erhöhte den Druck. Mit der Unterstützung der Fans brachte der Publikumsliebling die Partie souverän mit 6:2 im zweiten Satz nach Hause.

Knaff/Rodesch - Orlov/Ovcharenko 6:4, 6:2

Obwohl das ukrainische Duo Orlov/Ovcharenko in der Doppel-Weltrangliste weitaus besser platziert ist, lag die Favoritenrolle am Sonntagvormittag klar bei Knaff und Rodesch. Ihre eingespielte Vergangenheit zeigte sich von Anfang an. Sie dominierten ihre Aufschlagspiele mühelos, während die Ukrainer früh unter Druck gerieten. Ein Doppelfehler von Ovcharenko beim Stande von 4:4 und 30:30 erwies sich als Vorentscheidung im ersten Satz. Rodesch bestätigte das Break zum 6:4. Orlov/Ovcharenko verloren direkt erneut ihren Aufschlag und das luxemburgische Duo setzte sich weiter ab. Zwar wackelte Knaff im zweiten Satz einige Male bei eigenem Service, doch in den wichtigen Momenten zeigte sich der Qualitätsunterschied. Nach einem weiteren Break zum 5:2 machte Rodesch mit einem Ass den Deckel drauf.

Raphael Calzi - Oleksandr Ovcharenko 4:6, 4:6

Gegen den hochfavorisierten Ovcharenko konnte Calzi die Partie über weite Strecken offen und ebenbürtig gestalten. Der Spieler der Tennis Spora agierte mutig. Dennoch gelang es ihm im ersten Satz nicht, sich eine Breakchance zu erspielen, sodass dieser nach 33 Minuten mit 6:4 an den Ukrainer ging. Im zweiten Durchgang knüpfte Calzi an seine starke Leistung aus dem ersten Satz an, musste sich jedoch nach zwei abgewehrten Matchbällen schließlich mit 4:6 und 4:6 nach 1:17 Stunden der Nummer 498 der Welt geschlagen geben. (sf)

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