Kommentar

Von der AfD lernen: Wo die Mitte umdenken muss

Schockstarre. Blankes Entsetzen. Dass die AfD die Wahl in Sachsen-Anhalt gewinnen würde, war seit Monaten jedem bewusst, trotz Brandmauer, trotz konstantem Warnen vor einer Regierungsbeteiligung dieser in Teilen rechtsextremen Partei. Weit über Magdeburg hinaus haben sich die Menschen für diese Wahl interessiert.

Ein „Weiter so“ kann es im Umgang mit der AfD nicht mehr geben

Ein „Weiter so“ kann es im Umgang mit der AfD nicht mehr geben Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Bundeskanzler Merz hatte sich mehrmals zum Ziel gesetzt, die AfD zu halbieren. Dieses hat er bis dato klar verfehlt. Ulrich Siegmund ist es hingegen gelungen, am Sonntagabend die Partei des bisherigen Ministerpräsidenten, CDU, zu halbieren.

Der (Noch-)Ministerpräsident Sven Schulze ordnet dieses politische Erdbeben mit folgenden Worten ein: „Das ist Demokratie!“ Auch wenn dieses Wahlergebnis noch lange Zeit nachhallen wird, so müssen sich die Parteien der Mitte fragen, was sie falsch gemacht haben. Anstatt sich mit Inhalten den Rechten entgegenzustellen, wurde konstant ein AfD-Bashing betrieben und versucht, die Bevölkerung zu bevormunden. In ihrem Vorhaben sind sie alle gescheitert. Spätestens nach dieser Wahl sollte jedem Demokraten bewusst geworden sein, dass man die eigenen Inhalte stärker in den Fokus rücken, und seine Kommunikation mit den Wählern überdenken sollte.

Die Wahl in Sachsen-Anhalt ist das beste Beispiel dafür, dass der bisherige Umgang mit der AfD der falsche war. Sehr wohl laufen in der AfD fragwürdige Gestalten herum, und es gibt sehr wohl antidemokratische Punkte im Parteiprogramm. Trotzdem kann man weder alle AfD-Politiker noch -Wähler weiterhin allesamt als Neonazis oder Versager bezeichnen. Genau diese Stigmatisierung ist es, die die Wähler in Scharen zu ebendieser Partei getrieben hat und auch weiterhin treibt. 67 Prozent der Wähler in dem ostdeutschen Bundesland finden die Brandmauerpolitik, laut infratest-dimap „nicht richtig“ – unter ihnen findet sich sogar eine Mehrheit der Linkswähler. Sollte nun die Brandmauer eingerissen werden? Auf diese Frage gibt es keine bewährte Antwort. Im Bund sieht nichtsdestotrotz eine Mehrheit eine Zusammenarbeit mit der AfD skeptisch – die Ergebnisse aus Sachsen-Anhalt lassen sich nicht eins zu eins auf die Bundespolitik übertragen.

Wie man die AfD jedoch in Schach hält, zeigt die SPD in Mecklenburg-Vorpommern, wo in weniger als zwei Wochen gewählt wird. Seit fast einem Jahr holt die Regierungspartei in Umfragen konstant auf, der Wahlkampf ist auf die Kernkompetenz der SPD zugeschnitten: die Sozialpolitik. Vor allem aber profitiert die SPD von der Popularität von Manuela Schwesig, die, wo möglich, ins Rampenlicht gerückt wird und die Menschen „abholt“. Parallelen zum Wahlkampf der AfD in Sachsen-Anhalt, wo Ulrich Siegmund wie ein Star gefeiert wurde, sind sichtbar.

Ein möglicher Ansatz könnte demnach sein, die AfD mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Einen Versuch wäre es wert.

4 Kommentare
Grober J-P. 10.09.202610:22 Uhr

"dass man die eigenen Inhalte stärker in den Fokus rücken," Denn Inhalte bei der AFD gibt es auch nicht, da sollte man die Chance nutzen. Denn die wollen nur ihr Land zurück, heißt 1,13 % Migranten ohne derzeitigen Status remigrieren lassen, danach die Andersdenkenden. Wo sind die Inhalte zur Sozialversorgung, Gesundheitssystem, zur maroden Verkehrspolitik, zum Grundgesetz, zum Klimawandel? Und, man will den Fliegenschiss aus der deutschen Geschichte verbannt haben.

Nomi 08.09.202610:42 Uhr

Daat ass jo elo net mei' ze aenneren !
Jei'meren brengt et jo och elo net !

Elo mussen mer di AFD mol gewaerde loossen an Sie kritisei'eren wo'u se ze kritisei'eren sinn.
D'Bierger mussen selwer erliewen dass eng AFD och memmen mat Wasser kacht. Daat ass den eenzegen Wee fir den Flaechenbrand AFD ze laeschen !

Guy Mathey 07.09.202622:34 Uhr

Wer Faschisten wählt, der wählt gegen seine eigenen Interessen, also gegen Demokratie, Menschenrechte, Frieden und Freiheit, demnach auch gegen das Recht öffentlich Kritik am politischen System zu äussern. Eigentlich müssten alle Europäer*innen wissen, was der Faschismus in den 30gern und 40gern verbrochen hat, oder? Eigentlich müssten faschistische Parteien in Demokratien verboten sein, da Faschismus keine Meinung sondern ein Verbrechen ist. Bedauerlicherweise muss man jedoch feststellen, dass die Unwissenheit und gross und die Intelligenz Mangelware bei einer steigenden Zahl der Wähler*innen ist. Ja, man kann mit der aktuellen Politik unzufrieden sein, ich bin es übrigens auch, aber deswegen gleich die Demokratie kaputt zu schlagen, das käme doch keinem halbwegs intelligenten Menschen in den Sinn, oder? Wer unzufrieden ist, dat durchaus die Möglichkeit, demokratische Alternativen zur aktuellen Politik zu wählen oder sich selbst einzubringen.

RCZ antwortete am 08.09.202612:21 Uhr

Die demokratische Alternative zur aktuellen Politik ist die AfD, man darf sie nicht blockieren sondern regieren lassen. ........

Nomi antwortete am 08.09.202610:48 Uhr

Et ass ganz normal, dass wann di etablei'ert-demokratesch Partei'en wahrend 30 Johr Naischt un hirer Politik aenneren, wei' den Bierger daat well, dass dann dem Wiehler ob eng Kei'er den Kolli platzt. Dann geschidd daat mat enger AFD !
Elo mussen mer se mol gewaerden loossen an gesinn dass sie och nemmen mat Wasser kachen.

Den Stei'erzuehler well keen Assistanatsstaat, mee een Emfeld mat Eegenverantwortung !
Jiddereen soll durch Eegenleeschtung sein Liewen bestreiden kennen.

Zeitenwende 07.09.202620:09 Uhr

Da Merz nicht Kanzler fähig ist wird die AfD wohl auch die nächste Kanzlerin stellen!?....

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